Cheffing – wie du als Mitarbeiter mit dem Führungsstil deines Chefs umgehen kannst. Tipps für eine bessere Beziehung zu deinem Vorgesetzten.

Alle Mitarbeiter und die meisten Führungskräfte haben selbst einen Vorgesetzten, mit dem sie, je nach Persönlichkeit, besser oder schlechter zurechtkommen. Aus meiner Erfahrung bekommt fast jeder Mitarbeiter im Laufe seines Berufslebens irgendwann einen Chef, den er sich selbst nicht ausgesucht hat. Blöd wird es nur dann, wenn der Führungsstil gar nicht mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmt. Was nur, wenn der Job an sich passt nur die Führung nicht? Im nachfolgenden Artikel geht es darum, wie du mit deiner Führungskraft besser umgehen kannst, ohne gleich deinen Job wechseln zu müssen.

Gründe für die Unzufriedenheit gegenüber deiner Führungskraft

In meinen Coachings erlebe ich es immer wieder, dass meine Coachees über Probleme mit ihrer nächst höheren Führungskraft berichten. Sie berichten über Kommunikations- und Entscheidungsprobleme und befinden sich oftmals zwischen den Stühlen gegenüber ihrer Führungskraft und ihren Mitarbeitern. Das zum Teil inkompetente Verhalten ihres Chefs müssen sie dann ausbügeln, damit die Kommunikation nach unten und zum Kunden wieder laufen kann. Unklare Ziele, keine, hinausgezogene oder umgeworfene Entscheidungen sowie zurückgehaltene Informationen verhelfen dazu, dass sie mehr Leistung und Energie aufwenden müssen und im gleichen Zuge dafür wenig Unterstützung erhalten. Das kann manchmal ganz schön ermüdend und auch gleichzeitig frustrierend sein. Kein Wunder, dass sie unzufrieden mit ihrer Führungskraft sind. Am liebsten würden sie ihren Chef ändern oder ihn gar von seinem Thron stürzen, doch in den meisten Fällen geht das nicht und sie halten aus. Ärger gegenüber ihrer Führungskraft staut sich an und das Verhältnis zu ihm wird schlechter.

Damit dir das nicht passiert, habe ich im weiteren Artikel ein paar Möglichkeiten zusammengefasst, wie du gegenüber deiner Führungskraft auftreten kannst, damit sich dein Arbeitsalltag angenehmer gestaltet.

Was ist Cheffing?

Cheffing, bedeutet „Führung von unten“. Das bedeutet nicht, dass du deinen Chef von seiner Stelle schubsen oder dich mit anderen gegen ihn verbünden solltest, sondern dich kooperativ deinem Chef gegenüber zeigst. Ziel des Cheffings ist es, eine bessere Führungsarbeit deines Chefs zu erreichen, von der am Ende alle profitieren. Es geht darum, mit deiner Führungskraft kooperativ an einer Sache zu arbeiten, sich wechselseitig zu ergänzen und positive Ergebnisse zu bewirken. Das mag sich in erster Linie schwierig anhören, denn vermutlich bist du ja unzufrieden mit deinem Vorgesetzten. Doch, wenn keiner von euch das Arbeitsverhältnis beendet, müsst ihr wohl oder übel miteinander zurechtkommen und damit ihr das schafft, kommt Cheffing ins Spiel. Cheffing funktioniert allerdings nur, wenn es der gemeinsamen Sache dient, Regeln beachtet werden und du nicht aus Rache, sondern aus Kooperation heraus handelst.

Cheffing mag nicht immer einfach sein, aber die einzige Möglichkeit, dass sich in deinem Arbeitsleben etwas verändert. Denn, wenn du nichts änderst wird sich nichts ändern. Deine Führungskraft wird nicht plötzlich ein anders Verhalten an den Tag legen. Du kannst dich nur aus deiner unschönen Situation befreien, wenn du die Zügel in die Hand nimmst!

Erkenne, wie dein Chef tickt

Damit Cheffing funktioniert, ist es wichtig, dass du weißt, wie deine Führungskraft tickt. Die erste Regel lautet daher: Wenn du Einfluss auf deine Führungskraft nehmen willst, dann muss du sie beobachten. Wie verhält sich dein Chef in gewissen Situationen. Ist er eher derjenige, der viele Informationen benötigt, oder derjenige der es knackig auf dem Punkt haben möchte? Wie verhält er sich vor, in und nach Meetings? Ist er gut vorbereitet, braucht er eine Agenda oder Präsentation, einen Mitschrieb oder eine Zusammenfassung der Inhalte? Welchen Tagesrhythmus pflegt er und wie reagiert er auf Druck, Stress und auftretende Probleme? Das sind alles Faktoren, die für dich wichtig sind, um zu wissen wie du mit ihm in welchen Situationen kommunizieren und kooperieren kannst.

Bleibe am Ball mit deinen Themen

Die zweite Regel lautet: Nachfassen, nachhaken, auch wenn es deinen Stolz verletzt. Lasse deine Anliegen nicht aus dem Blick. Wenn du mehrere E-Mails an ihn versendet hast und er nicht antwortet, hake nach, wie es um die Antworten steht. Wenn du eine Präsentation abgehalten hast, fordere Feedback ein, wenn du auf eine Antwort von ihm wartest, frage nach ob er sich schon dazu äußern kann und wenn nicht, wann er dazu Zeit findet. Erkenne, dass deine Führungskraft nicht nur deine Themen auf dem Tisch hat, sondern sich um einiges mehr kümmern muss. Da kann es schon vorkommen, dass er vergisst zu antworten. Die wichtige Regel dabei ist: Nehme es nicht persönlich! Bleibe an deinen Themen dran und zeige damit, dass du dich nicht von ihm abwimmeln lässt.

Wer fragt, der führt

Eine weitere Regel, die du dir zu Herzen nehmen solltest, ist das Fragen. Fragen sind ein mächtiges Tool, denn sie helfen dir, deine Führungskraft besser zu verstehen. Fragen helfen, Probleme zu lösen und eine engere Verbindung zu deinem Chef aufzubauen. Durch das verwenden von bestimmten Techniken kannst du den Gesprächsverlauf in eine gewünschte Richtung lenken. Diese Veränderung kann bedeuten, dass das Gespräch erst richtig beginnt, vertieft oder sogar frühzeitig beendet wird. Stelle dir mal vor, deine Führungskraft würde dir Fragen stellen, die den Anschein erwecken, dass du plötzlich gesehen wirst. Wie würdest du dich dann fühlen? Genau das gleiche sollte nun in anderer Richtung passieren. Fange an, deine Führungskraft zu sehen, indem du sinnvolle Fragen stellst.

  • Was für Ziele hat dein Chef?
  • Wie und wann will er das Projektziel erreichen?
  • Was war der Grund für seine letzte Entscheidung, die du nicht verstanden hast?

Du könntest zum Beispiel fragen: „ Herr Müller, mir ist noch nicht ganz klar, warum Sie in der letzten Sitzung das Thema XY angesprochen haben. Könnten Sie mir vielleicht kurz den Hintergrund erklären, damit ich es besser verstehen kann?“ Durch Fragen erfährst du mehr und bewirkst Veränderung ohne Widerstand.

Aktives Zuhören

Die vierte Regel lautet, höre zu! Und damit meine ich nicht, das Zuhören um dir dann in deinem Kopf gleich die nächste Frage auszudenken, sondern das Zuhören um wirklich verstehen zu wollen. Das ist nämlich ein großer Unterschied. Wenn du genau zuhörst, was deine Führungskraft dir sagt und das Gesprochene nicht gleich bewertest, dann wirst du auf einmal Dinge besser verstehen können. Das heißt nicht, dass du immer der gleichen Meinung sein solltest, sondern dass du deinem Chef seine Meinung lässt und diese nicht gleich widerlegst. Durch das aktive Zuhören fühlt sich dein Chef verstanden und du wirst einen besseren Zugang zu ihm finden.⁠

Finde Lösungen für euer gemeinsames Anliegen

Finde heraus, was euer gemeinsame Anliegen ist und stelle dieses wieder in den Mittelpunkt. Woran arbeitet ihr gemeinsam, welches Ziel verfolgt ihr gemeinsam, wofür geht ihr jeden Tag zur Arbeit? Anstatt deinen Chef mit Problemen zu konfrontieren, zeige ihm, welche Lösungen du vorweisen kannst. Keine Führungskraft möchte sich nur mit Problemen beschäftigen. Lösungen bringen viel mehr als Probleme zu diskutieren. Sie sind positiv behaftet und zeigen, dass du dich mit dem Thema bereits konstruktiv auseinandergesetzt hast.

Wann Cheffing nicht funktioniert

Cheffing funktioniert leider nicht immer. Denn nicht jede Führungskraft lässt sich führen. Es funktioniert zum Beispiel dann nicht, wenn deine Führungskraft sich nur über ihr Führungsdasein definiert. Im Einzelnen bedeutet das, dass er immer Recht haben muss, dass er alles kann und alles richtig macht. Diese Art von Mensch wird sich nicht lenken lassen, wenig kooperieren und wird dich auch nicht sehen wollen. Möglicherweise hast du einen Narzissten zum Chef oder einen, der so wenig Selbstbewusstsein hat, dass er jedes Nicht-Perfekt-Sein als Schwäche identifiziert.

Schwierig wird es auch dann, wenn dein Chef absolut andere Ziele verfolgt als du. Zielkonflikte werden die Kommunikation zwischen euch so verschärfen, dass wenig Spielraum für ein konstruktives Miteinander entstehen kann. Sollte dir auffallen, dass dein Chef so tickt, dann solltest du dir ernsthaft überlegen, ob das der richtige Arbeitsort für dich ist. Denn eines ist sicher, dein Chef wird sich nicht für dich ändern.

Veränderung ist ein Prozess

Veränderung passiert nicht einfach so. Wenn du dich öffnest und positiv auf deinen Gegenüber zugehst, dann wird sich langfristig auch eine positive Veränderung einstellen. Die Tipps sind nicht dafür gedacht, dass du sie einmal anwendest, denn dann wirst du keine oder nur geringe Erfolge verspüren und im Nachhinein frustriert sein. Dein Chef wird sich nicht ändern, nur weil du ihm einmal zuhörst. Es geht hier vielmehr um eine Verhaltensänderung deinerseits, die kontinuierlich stattfinden muss. Man kann das Beschriebene auch mit einer Liebesbeziehung vergleichen: Ein einmaliges Ausräumen der Spülmaschine deines Partners wird dich langfristig nicht zufriedenstellen. Erst wenn dein Partner regelmäßig sein Verhalten wiederholt und der Ablauf in den Tag integriert wurde, dann wird sich deine Stimmung gegenüber deinen Partner positiv ändern.   

Denke daran, Veränderung kommt nicht über Nacht, sondern ist ein Prozess. Hole dir deine Macht zurück indem du dein Verhalten änderst und du wieder die Kontrolle über dich gewinnst.

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