Wie du als Frau im Businessmeeting besser gesehen und wahrgenommen wirst

Kennst du die Situation, du hast im Meeting eine gute Idee eingebracht und die männlichen Kollegen um dich herum nehmen diese nur am Rande wahr… dann greift zum Schluss des Meetings ein Kollege deine gleiche Idee nochmals auf und präsentiert sie als die seinige. Dafür erntet er auch noch eine menge Lorbeeren und du stehst abseits vom Rampenlicht. Blöde Situation für dich, nicht?

Wie würdest du dich in solch einer Situation verhalten? Würdest du beleidigt sein, würdest du freundlich Lächeln und zu dir sagen, “Männer sind eben so”, oder, würdest du lauthals protestieren und deinen Frust offen in großer Runde kundtun? Ganz im ernst, ich hätte früher Variante eins oder zwei gewählt. Mittlerweile würde ich es anders tun, denn auch ich habe eine Menge gelernt was das Auftreten gegenüber männlichen Kollegen angeht, denn als Führungsfrau in einem männerdominierten Unternehmen wurde ich zwangsläufig dazu gezwungen mich mit dem Thema zu beschäftigen.

Schauen wir uns mal an, was genau in dieser Situation passiert ist. Anscheinend hast du einen guten Einwand gebracht, der so gut war, dass ein Kollege diesen nochmals hervorgebracht hat. Prima, dann hast du wohl eine Menge Wissen zum Thema, sprich deine Fachkompetenz scheint ja ganz hervorragend zu sein. Woran lag nun das Problem, dass keiner darauf reagiert hat, als du die tolle Idee ansprachst? Vielleicht warst du ja nicht laut genug und die anderen konnten dich nicht hören? Sagen wir so, in gewisser Weise schon, aber hier ging es voraussichtlich nicht um die Lautstärke des Hörens, sondern um etwas anderes. Stelle dir sich mal die Frage, „wie selbstbewusst habe ich das Thema rübergebracht?“ Dabei hilft es, mal die Vogelperspektive einzunehmen, fliege mal aus der Situation heraus und schaue dir das Meeting mal von oben an. Wo sitzt du? Am Rand oder in der Mitte? Neben wem sitzen du? Neben einem dominanten oder einem introvertierten Kollegen? Was hast du an, grau und schwarz oder eine farbenfrohe Bluse? Wie ist deine Körperhaltung? Geschlossen oder offen? Wie denkst du über die anderen Kollegen? Alles testosterongetriebene Idioten oder hier steckt volles Potential? Wie denkst du über dich selbst, ich werde eh nicht gehört oder ich habe hier was zu sagen? Wie laut sprichst du, eher leise oder konnte man dich deutlich hören?

Was dich an deinem Erfolg hindert

Ein essentieller Punkt den ich eben angesprochen habe ist, was denkst du von dir selbst! Denn das was wir über uns selbst denken, strahlen wir auch unbewusst nach außen aus. Wenn du über dich selbst denkst, dass du nicht gut genug bist, dann werden deine Kollegen, Vorgesetzte etc. sehen, dass du nicht gut genug bist!⁠ Dein Verstand gibt dir vermutlich folgende Antworten:⁠

  • Ich brauche noch mehr Fachwissen ⁠
  • Ich habe nicht die Berufserfahrung wie die anderen⁠
  • Männer sind im Business einfach erfolgreicher⁠

Solange du aber in Selbstmitleid versinkst und du dir die Frage stellst „Warum werden meine Ideen nicht wahrgenommen“ wird dein Verstand das Problem bei dir suchen und schlussendlich dich in deinem Problem bestärken.⁠ Dein innerer Kritiker wird in die Opferhaltung gehen und dich glauben lassen, dass du „nicht gut genug bist“.⁠

Um diesen Teufelskreis zu unterbrechen ist es erforderlich, deine eigenen Gedanken zu hinterfragen. Dies bedarf der Bereitschaft zur Selbstreflektion, denn nur, wenn du dich mit deinen Gedanken auseinandersetzt, wirst du erkennen, wie du über dich selbst denkst, wie du dich verhälst und welche Muster du an den Tag legst, die dich auf deinem beruflichen Weg hindern.⁠ Dann wirst du erkennen, warum du nicht die Anerkennung erhälst, die du eigentlich verdient hast. Das was du also über dich selbst denkst, ist viel bedeutungsvoller, als das was andere über dich denken.“

Hier eine Übung wie du deine Gedanken überprüfen kannst

Um die eigenen Gedanken zu erkennen, kann es sehr hilfreich sein, alles was du über dich selbst denkst aufs Papier zu bringen. Schreibe mal alles auf, was dir über dich selbst als erstes in den Sinn kommt – ohne darüber nachzudenken! Denn das worüber wir nachdenken, holen wir aus unserem Gedächtnis und nicht aus unserem Unterbewusstsein, in dem unsere tiefen Erfahrungen und Gedanken über uns gespeichert werden. Nehme nun einfach mal einen Stift in die Hand und fangen an zu schreiben. Du wirst erstaunt sein, was zum Vorschein kommt…

 

Was steht nun auf deinem Zettel? Überlege dir jetzt,

  • Möchte ich die Person sein?
  • Was gefällt mir besonders gut, das auf dem Zettel steht, was weniger gut?
  • Wenn du nun als außenstehende Person das Geschriebene auf den Zettel lesen würdest, was würdest du über die Person denken?

DU kannst nun die Punkte, mit denen du nicht im Einklang stehst, mal anschauen und dich fragen, wie möchte ich stattdessen sein? Das ist dann dein Ziel auf das du in kleinen Schritten zusteuern darfst. Machen wir mal ein Beispiel. Steht auf deinem Zettel z.B. ich bin schüchtern gegenüber meinem Vorgesetzten und du möchtest nicht mehr schüchtern, sondern offener sein, dann wäre das dein Ziel. Die Frage stellt sich nun, wie kommst du denn nun zum Ziel? Hierfür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Du kannst Kurse besuchen, ein Coaching in Anspruch nehmen, Bücher zum Thema lesen oder zu Hause vor dem Spiegel laut üben, wie du mit deinem Vorgesetzten selbstsicher sprichst. Du musst zum Schluss den Weg wählen, der für dich am sinnvollsten scheint.

Kommen wir nun wieder zurück zum Thema und schauen uns den Punkt an, ”wie denkst du über deine Kollegen?” Interessant Frage, nicht? Ich kann dir sagen, dass Menschen genau spüren was wir über sie denken. Wir Menschen strahlen unbewusst durch unsere Mimik, Gestik und Stimme nonverbale Signale aus, die andere Menschen wieder unbewusst wahrnehmen. Daran erkennen wir Menschen genau, ob wir einander wohlgesonnen sind, oder nicht. Und mal ehrlich, wie ernst würdest du eine Person nehmen, bei der du spürst, dass diese Person nichts von dir hält?

Wie du Anerkennung bekommst

Schauen wir nun mal hinter die Kulisse und stelle dir die Frage, warum wertest du eigentlich einen anderen Menschen innerlich ab. Auch diese Verhaltensweise hat was mit dir selbst zu tun. Denn, wenn du selbstbewusst genug wärst andere so sein zu lassen wie sie sind, mit all ihren Stärken und Schwächen, dann müsstest du dich nicht bildlich über sie stellen, sondern könnten auf der Ebene “ich bin OK, du bist OK” kommunizieren. 👍

Überlege nun mal, wie eine Person auftritt, die 100 Prozent von sich selbst und von dem was sie sagt überzeugt ist. Was denkst du, wie würde die Person über sich selbst denken? Was hätte die Person anders gemacht? Wo hätte die Person sich im Meeting hingesetzt, wie wäre ihre Körperhaltung, ihre Stimmlage und ihre Präsenz? Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Person sich 100 Prozent ins Licht gerückt hätte. Sie hätte sehr überzeugend gesagt, was für eine Idee sie hat und es nicht stehen lassen, dass die Anderen sie nicht hören. Sie hätte wahrscheinlich das was sie gesagt hat auf eine andere und geschicktere Weise wiederholt um wahrgenommen zu werden.

Hast du nun gemerkt, woran es liegt, dass deine Idee nicht angenommen ist? Lag es denn nun an den Kollegen oder lag es an dir selbst? So traurig die Wahrheit auch sein mag, meistens versuchen wir das Problem ja immer bei den anderen zu suchen, aber das Problem liegt meist in uns selbst und darin, wie wir denken und wie wir uns verhalten. Das Wörtchen SELBST spielt daher eine entscheidende Rolle, denn Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein sind zwei wichtige Eckpfeiler um als Frau im Business wahrgenommen und ernstgenommen zu werden. Und damit meine ich nicht das vorgespielte Selbstbewusstsein, sondern das, was wirklich in dir schlummert, das ganze Potential das in dir steckt.

Sei also bereit zu erkennen, dass du dir die Anerkennung nicht von außen holen kannst, sondern dass diese nur von deinem Inneren kommt und du dir die Anerkennung selbst geben musst. Wenn du bereit bist, dich selbst zu sehen und wahrzunehmen, dass du so viel wundervolles Potential hast, dann wird ein Wandel passieren den du dann durch Andere wahrnehmen kannst. ⁠⁠

Der Primacy-Recency-Effekt im Meeting angewendet 

Jetzt gebe ich dir noch einen kleinen psychologischen Tipp mit an die Hand, den du im nächsten Meeting nutzen kannst, wenn du wieder eine glorreiche Idee einbringen möchtest.😉 Wende in diesem Fall einfach den Primacy-Recency-Effekt an. Der Primacy-Recency-Effekt ist ein psychologisches Phänomen, das dazu führt, dass Informationen, die zu Beginn (Primär-Effekt) und gegen Ende (Rezenzy-Effekt) besser im Gedächtnis behalten werden.

Der Primacy-Effekt beschreibt, dass zuerst erhaltene Informationen stärker gewichtet werden als spätere. Das bezieht sich auf Personen, Objekte oder Situationen. Dabei geht es vor allem um den ersten „Eindruck“, sprich die non-verbale Kommunikation. Dazu gehören zum Beispiel ein fester Händedruck, ein angenehmer Blickkontakt, die Stimme und Wortwahl, Pünktlichkeit sowie der passende Kleidungsstil. Der Rezenzy-Effekt sagt, dass Informationen welche als letzte aufgenommen wurden in unserer Wahrnehmung häufig eine besonderen Stellenwert einnehmen. Nämlich Informationen, die sehr jung zurückliegen, prägen unsere Wahrnehmung erheblich mehr, als Informationen, die in der Mitte eines Gespräches ausgetragen werden. Aufgrund der besseren Erinnerung über unser Kurzzeitgedächtnis haben letztgenannte Inhalte ein stärkeres Gewicht und werden somit als wichtiger eingestuft. Im Gegensatz zum Rezenzy-Effekt geht der erste Eindruck leichter ins Langzeitgedächtnis über. Je nach Situation und Ausprägung überwiegt entweder der eine oder andere Effekt. Bringe daher deine glorreiche Idee erst zum Ende des Meetings ein, dann wird diese besser in Erinnerung bleiben.

Was dich noch interessieren könnte: